¡Adiós Alemania, hola Argentina!

Mein Abenteuer in Südamerika

Berichte von 02/2013

20Februar
2013

Lost: Die Hitze

Ich würde jetzt zu gerne ein Bild von mir hochladen:

Ich sitze gerade am Rechner bekleidet mit meinem EINZIGEN dicken Pullover, den ich mit nach Argentinien genommen habe, einem Woll-Schlauchschal, Stoppersocken und einer Haremhose (das einzig "Kühle"...). Ja, es ist kühl geworden hier in Villa Allende. Am vergangenen Samstag hatten wir noch schicke 38 °C im Schatten. Dann, in der Nacht von Samstag auf Sonntag gab es dann einen sehr starken Sturm, bei dem auch viele Nachbarorte quasi überflutet worden sind (Villa Allende ist Gott sei Dank relativ verschont geblieben). Es ist Hagel in der Größe von kleinen Äpfeln gefallen; insgesamt alles ziemlich...gewöhnungsbedürftig! Ich wusste ja, dass es hier durchaus mal regnet und stürmt, aber das war schon eine ganz besondere Erfahrung, als ich nachts um 3 Uhr aufwachte, mit offenem Fenster und sich vor dem Haus die Blitze trafen. 
Seitdem ist es wirklich frisch und kühl hier (zwischen 15 und 18 °C) und man kann gut und gerne mit Regenjacke und langer Hose zur Arbeit fahren.
Sonst ist es insgesamt recht still hier, was Neuigkeiten anbelangt. Am Samstag haben Huayra und ich einen Quince (juhu!) und Anfang März sind wir auf eine zweite Hochzeit eingeladen. Schon ziemlich cool, oder? Cool
Was gibt es sonst Neues?! Ich krame gerade mal in meinem Oberstübchen...Heute in einem Monat fliegen Markus, Mama und Papa los in Richtung Córdoba und ich kann es wirklich kaum erwarten, sie wieder zusehen! Ich hoffe, dass sich das Wetter bis dahin zu mindest ein bisschen in typisch argentinische Richtung zurückentwickelt...Aber da gerade noch Februar und damit quasi Hochsommer ist, sollte das für die Sonne hier eigentlich kein Problem werden, wenn sie sich nun ein paar Tage ausruht. Ist auch wirklich mal eine ganz schöne Abwechslung mit Bett-bzw. Wolldecke und langer Hose zu schlafen und nicht jede Nacht schweißüberströmt aufzuwachen...
Heute habe ich übrigens (mal wieder ;-)) frei, wir feiern...oh Gott, ich habe es vergessen. Es geht um Salta, aber um ganz ehrlich zu sein, habe ich nur mit halbem Ohr hingehört, als meine Gasteltern mir diesen Fériado erläutert haben...Da kann auch wirklich niemand mehr den Überblick behalten, wenn man sonst über den Daumen gepeilt ca. fünf Feiertage im Jahr hat und es hier in jedem Monat fünf Feiertage gibt.

Mehr Spannendes fällt mir gerade auch nicht ein, ich werde mich nun vor den Fernseher "schmeißen" ("Tirate en el colchón" -> "Schmeiß' dich auf die Matte!"), so zumindest der Wortlaut der Argentinier.

Ich habe in der letzten Woche auch noch ein paar Fotoshoots gemacht, hier die Ergebnisse (sind alle in unserem Garten gemacht worden)

Siiiina :-) HILFE

 

10Februar
2013

Meine erste Hochzeit...

...als Gast! Wie vielleicht einige wissen, habe ich schon des Öfteren die Zeremonien in der Kirche als Messdienerin mitbegleitet. Was mich bis dato gewurmt hat: Ich war selbst noch NIE als Gast auf einer Hochzeit. Bis gestern.
Ein Cousin von Ceci, meiner Gastmutter, hat sich mit seiner langjährigen Freundin verlobt; die beiden haben auch schon zwei Kinder. Also war gestern Zeremonie und Fete angesagt. Um halb 8 haben wir uns auf den Weg in Richtung Alta Gracia gemacht, wo sowohl die Trauung als auch die nachträgliche Feier stattfinden sollte. Um kurz vor 9 trudelten wir schließlich in der kleinen, aber sehr liebevoll eingerichteten Kirche ein. Dort blieben wir allerdings - zu meiner Überraschung - nicht besonders lange. Insgesamt dauerte die Trauung ca. 10-15 Minuten, da sie nicht in eine Messe eingebunden war. Ceci erzählte mir im Nachhinein, dass nur sehr katholische Familien hier eine Trauung mit einer Messe verbinden, sodass die Trauungen im Normalfall nach kurzer Zeit zuende sind. Da war ich - muss ich sagen - etwas desillusioniert, weil ich (im sonst so katholischen Lateinamerika) doch etwas arg anderes erwartet hätte. Aber gut, es ist ein anderes Land, als auch andere Bräuche und Sitten, so viel habe ich bis jetzt ja schon gelernt.
Danach ging es also weiter zum Festsaal, der (wie bei den 15. Geburtstagen, auf denen ich bisher teilgenommen habe) in den gleichen Farben geschmückt war, wie die Kleider des "Blumenmädchens". Zuerst gab es einige Empanadas und Sandwiches, danach dann Pata (ich weiß immer noch nicht genau, welcher Teil vom Rind das ist; ich hoffe, dass es kein Fuß ist...). Dann wurden einige Videos gezeigt; das Brautpaar wurde beschenkt und los ging die Feier. Ein DJ legte sowohl traditionell südamerikanische, als auch elektronische Musik auf und nach einer Weile wurden auch wieder die hier altbekannten Hüte und Co. herausgekramt. Außerdem auch Espuma loca (eine Art Spritzschaum, den man auch in Deutschland von Fasching kennt); eine Tradition, die ich auf JEDEN FALL mit nach Deutschland nehmen werde. Dann gab es in Melonen gefüllten Wein (Fotos folgen) und alle tanzten lustig und munter bis in die Morgenstunden. Um halb 4 wurde dann die "mesa dulce" (süßer Tisch, aka Kuchen, Plätzchen, Alfajores etc.) und alle langten reichlich zu.
Was mich ein wenig befremdet hat: Im Festsaal gab es einen abgetrennten Raum, indem lauter große Computer mit Spielen wie Pacman etc. standen, in dem sich dann vorwiegend die kleinen Kinder aufhielten. Ich habe während der gesamten Festlichkeit kaum einmal ein Kind im Alter von 8-13 Jahren gesehen...Aber da die Kinder hier auch ziemlich lange durchhalten müssen, ist es auch in irgendeiner Weise verständlich. Trotzdem sehr befremdlich.
Die Rückfahrt nach der Feierlichkeit fühlte sich ewig lang an und ich war heilfroh, als ich letztlich um halb 6 im Bett lag und ein bisschen zur Ruhe kommen konnte.
Was mich zusätzlich sehr gefreut hat: Endlich habe ich das Lied gefunden, nach dem ich wochenlang gesucht habe; hier ist es, viel Spaß (ich hoffe, dass ihr es euch angucken könnt): http://www.youtube.com/watch?v=hvFtviSsEqI

Und natürlich gibt es auch Fotos von der Hochzeit:

Huayra mit Nelly (meiner Gastoma) Huayri und ich vor der Kapelle das Brautpaar :) Ceci y José Nelly und ich! Hmmmm lecker!!! :-) José, Cecis Onkel und ich! hahahahaha!

 

09Februar
2013

Halbjahresbericht 2012/2013

Es ist Zeit des Zwischenberichts für meine Organisation RVM (http://www.rvm-volunteering.org/).

Ich hoffe, dass auch Euch mein Zwischenfazit interessiert:


Halbjahresbericht für den IJFD

Nun ist schon fast ein halbes Jahr meines Freiwilligendienstes in Córdoba Argentinien
vorüber. Das bedeutet, dass ich – Gott sei Dank kann ich sagen – noch ein
halbes Jahr in meiner zweiten Heimat vor mir habe. Ein ganz merkwürdiges Gefühl
ist hier wohl unbestreitbar das Zeitempfinden. Wenn es mal wieder unerträglich
heiß ist hier in Villa Allende, kriecht der Tag und mit ihm meine Motivation
förmlich so vor sich hin, will dementsprechend auch kein Ende nehmen. Die Hitze
raubt mir oft jeglichen „animo“ und die Siesta beziehungsweise der zeitweilige
Sprung ins Planschbecken geben nur befristete Abkühlung.

Dann aber gibt es wieder Momenten, in denen mir plötzlich, ganz unerwartet
bewusst wird, dass ich die Hälfte dieser doch sehr begrenzten Wegstrecke hier
in Argentinien bereits beschritten habe. Das Gute an diesen „Gedankenblitzen“
ist eindeutig die Wertschätzung, mit denen ich vielen – vornehmlich alltäglichen
– Dingen hier begegne. Seit meiner Ankunft hier häufen sich diese Momente
merklich und geben mir das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Ich glaube, dass ich schon seit längerer Zeit hier in Argentinien angekommen
und folglich auch integriert bin. Es hat sich ein Alltag eingestellt, der aber
oft durch unangekündigte Ereignisse unterbrochen wird (Treffen mit der Familie
und deren Freunden, Wochenenden mit den anderen Freiwilligen usw.); folglich
also nie Langeweile, geschweige denn Resignation eintritt.
In manchen Momenten fühle ich mich zwar in der Rolle der Ausländerin, die ich
auch unbestreitbar bin, aber diese Momente sind größtenteils von positiver
Natur, da durch sie der interkulturelle Austausch gefödert  wird (Freunde/Familie fragen z.B. nach Ereignissen/Herangehensweisen in Deutschland).
In meinem Projekt hat sich seit Beginn wenig verändert, dennoch habe ich meinen
Arbeitsbereich erweitert und bin nun sehr viel selbständiger innerhalb, aber
auch außerhalb meiner Arbeitsstelle.
Anfang Januar ergab sich die Chance einer Jugendmission in „Las Varillas“ –
einem kleinen Ort ca. 4 Stunden von Villa Allende entfernt. Dort habe ich mit
150 anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen missioniert – eine Erfahrung,
die meinen Blick für meinen eigenen Glauben wesentlich geschärft, aber auch
relativiert hat. Wir haben auf dem Campo missioniert und wurden von beinahe
allen Bewohnern mit einer unfassbaren Herzlichkeit empfangen, die mich sehr
berührt hat. Wir stellten uns als katholische Missionare vor und baten um
Einlass, um ein wenig Zeit mit den dort Wohnenden zu teilen. Wir wurden
eingeladen auf einen Maté (aus dem einen Maté wurde nachher wohl ein Dutzend…)
und sprachen über alles, was die Menschen dort bewegte und bewegt. Zum Schluss
beteten wir mit ihnen das „Padre nuestro“ und verabschiedeten uns. Für mich war
diese Erfahrung sehr intensiv, da ich mir diese Prozedur zwischenzeitlich in
Deutschland vorstellte und zu dem Schluss kam, dass uns wahrscheinlich sehr
wenige Leute auf diese Weise empfangen hätten.
Diese Herzlichkeit der Leute dort finde ich auch in meiner Gastfamilie, durch
die das Heimweh nicht nur völlig zu ertragen ist sondern auch sehr verkleinert
wird. Meine „familia argentina“ integriert mich in einem solch großen Maße in
ihr Leben, das ich mich selbst als die „hija alemana“ fühle. Sie haben mich
bisher so viele Dinge gelehrt, die unglaublich wichtig für mich und meiner
persönliche Entwicklung waren und noch sind und mir zeigen, dass man überall
auf der Welt Liebe, Loyalität, Vertrauen und Freundschaft entdecken kann, wenn
man sich darauf einlässt.
Bezüglich des Zwischenseminares in Posadas kann ich sagen, dass es eine sehr
spannende Erfahrung war, viele der Freiwilligen von den verschiedensten
Einsatzstellen (Chile, Paraguay, Brasilien und Argentinien) kennen zu lernen
und mit ihnen die Halbjahreseindrücke zu teilen. Es war größtenteils ein
Erfahrungsaustausch ohne großartigen theoretischen Input, allerdings hat auch
dieser Austausch untereinander ein neues Bild auf den Freiwilligendienst
geworfen, sodass man selbst seine Erfahrungen mit etwas mehr „Distanz“ (nicht
im negativem Sinne!) betrachten konnte.
Abschließend möchte ich sagen, dass ich sehr glücklich hier in Argentinien bin. Ich freue
mich schon jetzt auf den Besuch meiner Eltern im März, um ihnen all das hier
zeigen zu können. Ich möchte diese wunderbare Erfahrung auch mit meinen Lieben
daheim teilen, denn wie bereits gesagt, meine zweite Heimat habe ich hier in
Argentinien gefunden.

07Februar
2013

Paraíso argentino: Die Wasserfälle von Iguazú

Nach knapp zwei Wochen Funkstille gibt es nun den hoffentlich ersehnten Blogeintrag. Ich habe viel erlebt in diesen zwei Wochen und mehr als 500 Fotos geschossen.
Aber von Anfang: Am 27. ging es um 16 Uhr mit dem Bus nach Posadas zum Zwischenseminar. Dort angekommen wurden wir erst einmal von der immensen Hitze überwältigt. Bis dato dachte ich, dass ich hier in Córdoba schon starken Temperaturen ausgesetzt bin...Falsch gedacht! In Missiones ist die Hitze zwar im selben Temperaturbereich (ca. 35 ° C-38 ° C), allerdings ist es so schwül, dass man bereits am Anfang das Gefühl hat, man befände sich im tropischen Regenwald (so weit sind wir ja auch nicht entfernt von den Tropen...). Nun das Seminar war insgesamt sehr schön, es waren viele tolle Leute dort und der Großteil hat sehr angeregt über das erste halbe Jahr seines Dienstes im Ausland gesprochen. Insgesamt stand der Erfahrungsaustausch im Vordergrund; theoretischen Input gab es eigentlich wenig (im Kontrast dazu steht unser Vorbereitungsseminar), was aber auch gar nicht schlimm war.
Am Donnerstag sind wir nach San Ignacio Miní gefahren und haben uns dort die großen Jesuitenreduktionen angesehen. Das hätte ich bestimmt interessant finden und aufmerksam verfolgen können, wenn mir die Hitze nicht so das Gehirn vernebelt hätte...

In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind Josef und ich dann nach Puerto Iguazú (ca. 5 Stunden von Posadas entfernt) gefahren und haben zuerst die brasilianische Seite (Foc do Iguazú) besucht. Es war schlichtweg der Wahnsinn; das Dröhnen der fallenden Wassermassen übertönt jegliche weiteren Geräusche und man selbst fühlt sich klein und ziemlich hilflos, wenn man herüber zur Garganta de Diablo sieht (das Wasser an diesem Wasserfall dort fällt 80 Meter in die Tiefe). Am nächsten Tag sind wir dann auf die argentinische Seite gefahren und waren sehr verblüfft, dass diese so unendlich viel schöner war als die brasilianische Seite. Gut, dass wir uns zuerst diese angesehen haben, sonst wäre es bestimmt eine Enttäuschung geworden. Aber zurück zum eigentlichen Thema: Angekommen im Parque Nacional de las Cataratas in Argentinien sind wir zuerst mit einem ökologisch betriebenen Gaszug bis zum Ende des Parks und damit zur Garganta de Diablo gefahren. Der direkte Ausblick auf die fallenden Wassermassen war einfach wunderschön. Die ständig präsenten Regenbögen glitzern hindurch und man bekommt wirklich ein nahezu paradisisches Gefühl. Im Folgenden sind wir dann die Wanderwege direkt an den Wasserfällen vorbei gegangen und haben wie wild Fotos geschossen. Zur Zeit der Siesta, in der es fast unerträglich heiß wurde, haben wir uns dann ein schattiges Plätzche inmitten von Nasenbären gesucht und ein bisschen Pause gemacht, bevor wir unseren letzten Wanderweg antraten.

Soweit erstmal zu Iguazú! Es war wirklich ein ungalubliches Erlebnis und ich freue mich schon jetzt darauf, aus meinen geschossenen Bildern ein Fotobuch zu machen; Hier ein kleiner Einblick meines Ausfluges: auf der brasilianischen Seite der Ökozug auf der argentinischen Seite Weg zur Garganta de Diablo vor der Garganta die Gargantaaaa :-O sieht aus wie Bierschaum... helloooo :) ich war dort!!! :)

So, das war's jetzt erstmal wieder von mir...Mein Januar war der WAHNSINN!!!

Ciao, besos y abrazos ♥

Ines