¡Adiós Alemania, hola Argentina!

Mein Abenteuer in Südamerika

09Februar
2013

Halbjahresbericht 2012/2013

Es ist Zeit des Zwischenberichts für meine Organisation RVM (http://www.rvm-volunteering.org/).

Ich hoffe, dass auch Euch mein Zwischenfazit interessiert:


Halbjahresbericht für den IJFD

Nun ist schon fast ein halbes Jahr meines Freiwilligendienstes in Córdoba Argentinien
vorüber. Das bedeutet, dass ich – Gott sei Dank kann ich sagen – noch ein
halbes Jahr in meiner zweiten Heimat vor mir habe. Ein ganz merkwürdiges Gefühl
ist hier wohl unbestreitbar das Zeitempfinden. Wenn es mal wieder unerträglich
heiß ist hier in Villa Allende, kriecht der Tag und mit ihm meine Motivation
förmlich so vor sich hin, will dementsprechend auch kein Ende nehmen. Die Hitze
raubt mir oft jeglichen „animo“ und die Siesta beziehungsweise der zeitweilige
Sprung ins Planschbecken geben nur befristete Abkühlung.

Dann aber gibt es wieder Momenten, in denen mir plötzlich, ganz unerwartet
bewusst wird, dass ich die Hälfte dieser doch sehr begrenzten Wegstrecke hier
in Argentinien bereits beschritten habe. Das Gute an diesen „Gedankenblitzen“
ist eindeutig die Wertschätzung, mit denen ich vielen – vornehmlich alltäglichen
– Dingen hier begegne. Seit meiner Ankunft hier häufen sich diese Momente
merklich und geben mir das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Ich glaube, dass ich schon seit längerer Zeit hier in Argentinien angekommen
und folglich auch integriert bin. Es hat sich ein Alltag eingestellt, der aber
oft durch unangekündigte Ereignisse unterbrochen wird (Treffen mit der Familie
und deren Freunden, Wochenenden mit den anderen Freiwilligen usw.); folglich
also nie Langeweile, geschweige denn Resignation eintritt.
In manchen Momenten fühle ich mich zwar in der Rolle der Ausländerin, die ich
auch unbestreitbar bin, aber diese Momente sind größtenteils von positiver
Natur, da durch sie der interkulturelle Austausch gefödert  wird (Freunde/Familie fragen z.B. nach Ereignissen/Herangehensweisen in Deutschland).
In meinem Projekt hat sich seit Beginn wenig verändert, dennoch habe ich meinen
Arbeitsbereich erweitert und bin nun sehr viel selbständiger innerhalb, aber
auch außerhalb meiner Arbeitsstelle.
Anfang Januar ergab sich die Chance einer Jugendmission in „Las Varillas“ –
einem kleinen Ort ca. 4 Stunden von Villa Allende entfernt. Dort habe ich mit
150 anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen missioniert – eine Erfahrung,
die meinen Blick für meinen eigenen Glauben wesentlich geschärft, aber auch
relativiert hat. Wir haben auf dem Campo missioniert und wurden von beinahe
allen Bewohnern mit einer unfassbaren Herzlichkeit empfangen, die mich sehr
berührt hat. Wir stellten uns als katholische Missionare vor und baten um
Einlass, um ein wenig Zeit mit den dort Wohnenden zu teilen. Wir wurden
eingeladen auf einen Maté (aus dem einen Maté wurde nachher wohl ein Dutzend…)
und sprachen über alles, was die Menschen dort bewegte und bewegt. Zum Schluss
beteten wir mit ihnen das „Padre nuestro“ und verabschiedeten uns. Für mich war
diese Erfahrung sehr intensiv, da ich mir diese Prozedur zwischenzeitlich in
Deutschland vorstellte und zu dem Schluss kam, dass uns wahrscheinlich sehr
wenige Leute auf diese Weise empfangen hätten.
Diese Herzlichkeit der Leute dort finde ich auch in meiner Gastfamilie, durch
die das Heimweh nicht nur völlig zu ertragen ist sondern auch sehr verkleinert
wird. Meine „familia argentina“ integriert mich in einem solch großen Maße in
ihr Leben, das ich mich selbst als die „hija alemana“ fühle. Sie haben mich
bisher so viele Dinge gelehrt, die unglaublich wichtig für mich und meiner
persönliche Entwicklung waren und noch sind und mir zeigen, dass man überall
auf der Welt Liebe, Loyalität, Vertrauen und Freundschaft entdecken kann, wenn
man sich darauf einlässt.
Bezüglich des Zwischenseminares in Posadas kann ich sagen, dass es eine sehr
spannende Erfahrung war, viele der Freiwilligen von den verschiedensten
Einsatzstellen (Chile, Paraguay, Brasilien und Argentinien) kennen zu lernen
und mit ihnen die Halbjahreseindrücke zu teilen. Es war größtenteils ein
Erfahrungsaustausch ohne großartigen theoretischen Input, allerdings hat auch
dieser Austausch untereinander ein neues Bild auf den Freiwilligendienst
geworfen, sodass man selbst seine Erfahrungen mit etwas mehr „Distanz“ (nicht
im negativem Sinne!) betrachten konnte.
Abschließend möchte ich sagen, dass ich sehr glücklich hier in Argentinien bin. Ich freue
mich schon jetzt auf den Besuch meiner Eltern im März, um ihnen all das hier
zeigen zu können. Ich möchte diese wunderbare Erfahrung auch mit meinen Lieben
daheim teilen, denn wie bereits gesagt, meine zweite Heimat habe ich hier in
Argentinien gefunden.